Dreihebiger Jambus Beispiel Essay

Der Jambus (griechisch ἴαμβος, ïambos; lateinischiambus; Plural Jamben) ist in der quantitierenden antiken Verslehre ein aus zwei Verselementen bestehender Versfuß, bei dem einem Breve (kurz/leicht) ein Longum (lang/schwer) folgt, notiert als ◡—. Sein metrisches Gegenstück ist der Trochäus (—◡).

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name leitet sich der Tradition zufolge von Iambe (Ἰάμβη) her, in der griechischen Mythologie eine Dienerin im Haus des Königs von Eleusis, in das die um ihre entführte Tochter Persephone trauernde Göttin Demeter einkehrt. Iambe gelingt es durch derbe Scherze, die Göttin wieder zum Lachen zu bringen. Der Jambus ist daher traditionell mit Scherz- und Spottgedichten assoziiert.[1]Iambos bezeichnet bei den Griechen auch ein Gedicht in Jamben. Wegen der Verbindung mit den Scherzen der mythischen Iambe und der Verwendung des Jambus für Schmäh- und Spottgedichte insbesondere bei Archilochos war Iambos auch eine Bezeichnung für „Spottgedicht“ schlechthin.[2] Von den obszönen Spottgedichten des Iambos-Festes im Dionysos- und Demeterkult und von den Invektiven des Archilochos und seiner Nachfolger leitet sich die Gattung der Iambik her, deren Vertreter Iambiker oder Iambographen genannt werden.[3]

Realisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der antiken Dichtung erscheint der Jambus in ambivalenter Form mit einem Anceps an erster Stelle:

×—

Er kann also nicht nur als ◡—, sondern auch spondeisch als —— und als Anapäst ◡◡— realisiert werden.

Für den Jambus gilt Dipodie, das heißt, das Metron, das Grundelement, als das der Jambus in der antiken Metrik erscheint, besteht aus zwei Versfüßen, gebildet nach dem Schema:

×—◡—.

In der akzentuierenden Metrik moderner Sprachen wie dem Deutschen fehlt dem Jambus die Ambivalenz und er wird regelmäßig nach dem Schema ◡— (bzw. xx́ in der Heuslerschen Notation) gebildet, das heißt, dass er stets aus zwei Silben besteht, wobei die erste unbetont und die zweite betont ist.

Als Wortfuß ist der Jambus im Deutschen häufig. Beispiele sind „Verstand“, „Ersatz“ und „genau“ (die Hebungen sind durch Unterstreichung der entsprechenden Silben kenntlich gemacht).

Jambische Versmaße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike Dichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jambische Versmaße sind in der antiken Metrik:

×—ˌ◡◠
×—ˌ×—ˌ×—ˌ◡◠, auch katalektisch () als ×—ˌ×—ˌ×—ˌ◠
×—ˌ◡—.×—ˌ◡◠, auch katalektisch () als ×—ˌ◡—ˌ×—ˌ◠

Hauptartikel: Jambischer Dimeter

×—ˌ×—ˌ×—ˌ×—ˌ×—ˌ◡◠
×—ˌ◡—.×—ˌ◡—.×—ˌ◡◠

Hauptartikel: Jambischer Trimeter

  • Hipponakteischer Trimeter, besser bekannt als Choljambus, Hinkjambus oder Skazon ():
×—ˌ◡—.×—ˌ◡—.◡—ˌ—◠
×—ˌ×—ˌ×—ˌ◡◠ ‖ ×—ˌ×—ˌ×—ˌ◠
×—ˌ×—ˌ×—ˌ◡◠ ‖ ×—ˌ×—ˌ×—ˌ◡◠

Eine häufige Epodenform ist die Verbindung eines jambischen Trimeters mit einem Dimeter. Diese Form des Distichons wurde zum Beispiel von Rudolf Borchardt in seinem Gedicht Nomina Odiosa (1935) verwendet.[4]

Neuzeitliche Dichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der akzentuierenden Metrik moderner Sprachen wie dem Deutschen verliert der Jambus wie schon gesagt seine Ambivalenz. Die jambischen Versmaße sind daher entsprechend regelmäßig und können allein durch die Zahl der Hebungen bestimmt werden. Man spricht daher zum Beispiel im Deutschen eher von jambischem Vierheber, Fünfheber usw.

Die Bildung jambischer Verse im Deutschen ist relativ einfach, da zahlreiche zweisilbige Worte jambische Wortfüße bilden und mit einem einsilbigen, regelmäßig unbetontem Proklitikon wie dem Artikel sich zusammen mit einsilbigen Hauptworten („das Haus“) oder trochäisch gebildeten Zweisilbern („der Vater“) leicht jambische Rhythmen bilden lassen.

Jambische Versmaße im Deutschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dementsprechend beliebt sind jambische Versmaße in der deutschen Dichtung und in den Literaturen anderer ähnlich strukturierter Sprachen. Bekannte Beispiele solcher jambischer Versmaße sind:

Jambischer Dreiheber

◡—ˌ◡—ˌ◡—

Beispiel: Aus dem Abendlied von Matthias Claudius:

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar

Jambischer Vierheber

Hauptartikel: Jambischer Vierheber

◡—ˌ◡—ˌ◡—ˌ◡—

Beispiel: Aus einem Gedicht in Goethes Roman Wilhelm Meister[5] stammt der folgende Vers:

Wer nie sein Brot mit Tränen
Jambischer Fünfheber

Hauptartikel: Jambischer Fünfheber

  • Blankvers, ein ungereimter jambischer Fünfheber, sehr beliebt in der deutschen Bühnendichtung, vor allem der Klassik:
◡—ˌ◡—ˌ◡—ˌ◡—ˌ◡—
Beispiel: Aus Gotthold Ephraim Lessings Drama Nathan der Weise:[6]

Es eifre jeder seiner unbestochnen,
Von Vorurteilen freien Liebe nach!

  • gereimter Fünfheber mit 10 bzw. 11 Silben als Nachbildung des französischen silbenzählendenVers commun mit Zäsur nach der vierten Silbe:
◡—ˌ◡— ‖ ◡—ˌ◡—ˌ◡—ˌ(◡)
Beispiel: Das Mignon-Lied, ebenfalls aus Goethes Wilhelm Meister:[7]

Kennst du das Land? wo die Citronen blühn
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn […]?

  • Endecasillabo ist die italienische Entsprechung des französischen Vers commun mit festem Hauptton auf der 10. Silbe und beweglichem Hauptton vor der Zäsur nach der 4. oder 6. Silbe. Wurde gerne von den Romantikern verwendet.
Jambischer Sechsheber
◡—ˌ◡—ˌ◡— ‖ ◡—ˌ◡—ˌ◡—ˌ(◡)
Beispiel: Die ersten beiden Verse von Andreas Gryphius' SonettMenschliches Elende:[8]

Was sind wir Menschen doch? ein Wohnhauß grimmer Schmertzen,
Ein Ball des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit.

Häufig werden in deutschen Gedichten Strophen aus jambischen Versen unterschiedlicher Länge gebaut. So in folgendem Gedicht Die StadtTheodor Storms, in dem sich jambische Vier- und Dreiheber abwechseln. Hier die erste Strophe:

Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Einnig um die Stadt.

Stellung des Jambus im Deutschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notiert man zum Beispiel den jambischen Vierheber in der Heuslerschen Schreibweise, so zeigt sich, dass die jambische Interpretation der Taktfolge nicht eindeutig ist.

x | x́x | x́x | x́x | x́

Man hat eine Folge von für sich genommen trochäischen Takten mit Auftakt und unvollständigem letzten Takt. Tatsächlich ist nicht ohne weiteres auszumachen, ob der Rhythmus einer Folge von Worten an sich jambisch oder trochäisch ist. Ein (nicht selten) hyperkatalektischer Vers könnte statt jambisch

◡—ˌ◡—ˌ◡—ˌ◡—ˌ◡

auch als akephal trochäisch

◡ˌ—◡ˌ—◡ˌ—◡ˌ—◡

aufgefasst werden. Man hat versucht, im jambischen Vers eine durch den Auftakt bedingte steigende Bewegung auszumachen, weshalb nach einem Vorschlag von Ivo Braak der Jambus im Deutschen besser als Steiger bezeichnet werden sollte.[9]Gerhard Storz sah den Jambus entsprechend dem oben beschriebenen Muster deutscher Jamben mit vorangestelltem Funktionswort („das Haus“) oder Präfix („Gestalt“) als proklitisch im Gegensatz zum enklitischen Trochäus. Wolfgang Kayser meinte, der Jambus sei ausgeglichener in der Bewegung, schmiegsamer, weicher und gleitender als der Trochäus.

Die Tradition solcher Zuschreibungen mit durchaus widersprüchlichen Ergebnissen ist alt, da Philipp von Zesen schon 1641 meint, der Jambus sei „zu ernst-haften liedern und gedichten mehr / als zu schertz- und lustspielen“ brauchbar, und zwar des „mänlichen Ganges wegen“.[10]Enoch Hanmann meint dagegen 1645, „ein Jambischer Gesang reimet sich besser zu frölichen als zu trawrigen Sachen“.[11] Nach Gottfried August Bürger ist der Jambus „das einzige, wahre, echte, natürliche, heroische Metrum unserer Sprache“, ein kerndeutscher Versfuß also, obwohl die Sprache eigentlich mehr natürliche Trochäen als Jamben bietet.[12]

Für Andreas Heusler war der Jambus daher dem Deutschen nicht angemessen, er lehnte ihn wohl auch ab, da der lästige Auftakt sein Taktschema störte. Es lässt sich gegen eine solche auf Wort- bzw. Wortfußebene operierende Argumentation allerdings auch einwenden, dass eben durch das häufige Nichtübereinstimmen von Wort- und Versfußgrenze ein nützliches Spannungsverhältnis entsteht, das die Gefahr des „Klapperns“ mindert, das sich leicht einstellt wenn Wort- und Versfußgrenzen allzu häufig zusammenfallen. Wie Heinrich Heine in einem Brief an Immermann schreibt, ist es nicht wünschbar, „daß die Wörter und die Versfüße immer zusammenklappen, welches bei vierfüßigen Trochäen immer unerträglich ist, nämlich wenn nicht just das Metrum sich selbst parodieren soll“.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sandro Boldrini: Prosodie und Metrik der Römer. Teubner, Stuttgart und Leipzig 1999, ISBN 3-519-07443-5, S. 99–110.
  • Otto Knörrich: Lexikon lyrischer Formen. 2. Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-47902-8, S. 107–109.
  • Günther Schweikle, Dieter Burdorf (Hrsg.): Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-01612-6, S. 362f.
  • Alberto Cavarzere, Antonio Aloni, Alessandro Barchiesi (Hrsg.): Iambic Ideas. Essays on a Poetic Tradition from Archaic Greece to the Late Roman Empire. Rowman & Littlefield, 2001, ISBN 074250817X (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Klaus Lennartz: Iambos. Philologische Untersuchungen zur Geschichte einer Gattung in der Antike (= Serta Graeca. Band 27) (= Habilitationsschrift Universität Hamburg 2007). Reichert, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-89500-798-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ↑C. M. J. Sicking: Griechische Verslehre. München 1993, S. 88
  2. ↑Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Band 1. 3. Auflage. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914, S. 1233.
  3. ↑Ewen Lyall Bowie: Iambographen. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4, Sp. 853–856.
  4. ↑Knörrich: Lexikon lyrischer Formen. 2. Auflage. Stuttgart 2005, S. 66.
  5. ↑Johann Wolfgang Goethe: In: Berliner Ausgabe. Poetische Werke. Band 1, Berlin 1960 ff, S. 355, online
  6. ↑Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise. 3. Akt, 7. Auftritt. In: Werke. Band 2, München 1970 ff., S. 279, online.
  7. ↑Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Band 2, Frankfurt und Leipzig 1795, S. 7–8, Text
  8. ↑ Andreas Gryphius: Gesamtausgabe der deutschsprachigen Werke. Band 1, Tübingen 1963, S. 35, online
  9. ↑Ivo Braak: Poetik in Stichworten. 8. Auflage. Stuttgart 2001, S. 82.
  10. ↑Philipp von Zesen: Sämtliche Werke. Band 10, Teil 1: Hoch-deutscher Helikon. De Gruyter, Berlin 1977, ISBN 3-11-007083-9, S. 112.
  11. ↑Martin Opitz, Enoch Hanmann: Prosodia Germanica oder Buch von der deudschen Poeterey […] verfertiget von Martin Opitzen. Jetzo aber von Enoch Hannman […] vermehret und mit schönen Anmerckungen verbessert. 8. Druck. Klein, Frankfurt a. M. 1658, S. 203, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D9ZQPAAAAQAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPT208~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D.
  12. ↑Bürger: An einen Freund über seine teutsche Ilias. In: Der Teutsche Merkur 1776, IV. Vj., S. 52f., Digitalisat.
  13. ↑Brief an Immermann, 3. Februar 1830, in Zusammenhang mit Heines Änderungsvorschlägen zu Immermanns Tulifäntchen.

Versfüße

Zweigliedrig:Pyrrhichius ◡◡ • Trochäus —◡ • Jambus ◡— • Spondeus ——

Dreigliedrig:Tribrachys ◡◡◡ • Daktylus —◡◡ • Amphibrachys ◡—◡ • Anapäst ◡◡— • Bacchius ◡—— • Kretikus —◡— • Antibacchius ——◡ • Molossus ———

Viergliedrig:Prokeleusmatikos ◡◡◡◡ • Päon 1: —◡◡◡ 2: ◡—◡◡ 3: ◡◡—◡ 4: ◡◡◡— • großer Ionikus ——◡◡ • Antispast ◡——◡ • kleiner Ionikus ◡◡—— • Chorjambus —◡◡— • Ditrochäus —◡—◡ • Dijambus ◡—◡— • Epitrit 1: ◡——— 2: —◡—— 3: ——◡— 4: ———◡ • Dispondeus ————

Der Jambus ist ein Versfuß, der uns in zahlreichen lyrischen Texten begegnet. Mehrere solcher Versfüße bilden das Metrum (→ Versmaß) innerhalb eines Gedichtes. Das Metrum rhythmisiert einen Text, weil es angibt, welche Silben in einem Text betont werden oder unbetont bleiben. Der Jambus wird aus einer leichten und einer schwere Silbe gebildet (unbetont, betont).

Das Wort Jambus geht dabei auf das Altgriechische zurück (ἴαμβος ~ ïambos) und lässt sich in etwa mit dem deutschen Wort „schleudern“ übersetzen. Im antiken Griechenland wurde der Versfuß durch die Abfolge einer kurzen und einer langen Silbe beschrieben (υ –). Wird der Jambus mithilfe von kurzen und langen Silben beschrieben, sprechen wir von einer quantitierender Metrik.

Die deutsche Nachbildung dieser Silbenfolge beschreibt, dass im Jambus auf eine unbetonte eine betonte Silbe folgt (→ akzentuierende Metrik) und dieses Schema ist es auch, dass in unserem Deutschunterricht und Deutschbüchern angewandt und gelehrt wird.

Aufbau des Jambus

Wie beschrieben, folgt beim Jambus auf eine unbetonte eine betonte Silbe. Diesen Umstand geben wir normalerweise folgendermaßen an: xx‘.

Mitunter hat sich auch die Schreibweise von xX eingebürgert. Wichtig ist allenfalls, dass wir uns für eine Kennzeichnung entscheiden und diese konsequent durchhalten, wenn wir einen lyrischen Text bearbeiten. So können die Leser unserer Bearbeitung besser nachvollziehen, was wir nun genau auszeichnen und benennen wollen, wenn wir über ein Werk schreiben (Deutschlehrer, Dozenten, Lektoren).

Da der Jambus zwei Silben beschreibt, ist der „kleinstmögliche“ Jambus folglich ein zweisilbiges Wort, wie beispielsweise Verstand oder auch Gespenst.

Hinweis: Ob eine Silbe unbetont oder betont gesprochen wird, erkennen wir am besten, wenn wir sie laut und deutlich aussprechen. Prinzipiell sprechen wir eine betonte Silbe lauter und heben die Stimme bei der Aussprache an. Genauer beschrieben haben wir das im Beitrag zum Versmaß.

Der Jambus im Gedicht

Nun ist es allerdings so, dass der Jambus auch über mehrere Wörter reichen kann. Eine jambische Struktur aus vier Jamben würde so aussehen: xx‘xx‘xx‘xx‘.

Das bedeutet, dass die Zeile eines Gedichts aus acht Silben besteht, die sich abwechselnd betonen und nicht betonen lassen, wenn wir sie laut und deutlich sprechen. Schauen wir in den ersten Vers des Gedichts “Am grauen Strand, am grauen Meer” von Theodor Storm, finden wir eine solche Abfolge.

AmgrauenStrand, amgrauenMeer
In diesem Vers wird außerdem klar, dass der Jambus nicht innerhalb eines Wortes stecken muss und es wirklich nur um die Abfolge einzelner Silben in der eigentlichen Zeile geht.

Kadenz und Jambus

Der Jambus, wie er in diesem Beitrag beschrieben wurde, endet immer auf eine männliche Kadenz. Das bedeutet, dass die letzte Silbe des Versfußes betont ist. Diese Beobachtung ist aber nur dann richtig, wenn alle jambischen Versfüße vollzählig im Vers vorhanden sind und nicht in einer einzelnen Verszeile beschnitten werden (→ Kadenz).

Allerdings gibt es Gedichte, die sehr wohl eine jambische Struktur aufweisen und denen dennoch die letzte Silbe fehlt, um „vollständig“ zu sein. In der Wissenschaft nennen wir eine solche Verszeile katalektischen Vers (→ Vers).

Nehmen wir einmal an, Storm hätte sein Gedicht um die letzte Silbe beschnitten und einfach auf das SubstantivMeer verzichtet. Dann würde das Ganze folgendermaßen aussehen und auf eine weibliche Kadenz enden.

AmgrauenStrand, amgrauen

Wir hätten in der Folge lediglich drei vollständige jambische Versfüße und eine Silbe, die gewissermaßen übrigbleibt. Dennoch würden wir den Vers als Jambus einordnen, da die übergeordnete Stuktur doch recht deutlich und klar zutage tritt.

Hinweis: Alternierende Verse müssen also nicht immer aufgehen. Alternierend bedeutet, dass sich unbetonte und betonte Verse abwechseln, wie es im Jambus der Fall ist.

Der Jambus und die Hebigkeit

Im letzten Abschnitt haben wir geschrieben, dass der erste Vers aus Storms Gedicht aus vier Jamben besteht, da sich in 8 Silben immer wieder unbetont und betont abwechseln. In der Germanistik, aber natürlich auch im Deutschunterricht, wird diese Beobachtung allerdings durch die Hebigkeit benannt.

Das erklärt sich so, dass der Jambus auch durch die Abfolge von Senkung und Hebung beschrieben werden kann, wobei Senkung synonym zu unbetont und Hebung für betont steht.

Das bedeutet, dass wir von einem vierhebigen Jambus sprechen, wenn sich innerhalb einer Zeile vier Jamben aneinanderreihen. Wären es nur drei, wäre das ein dreihebiger Jambus usw.

Der Alexandriner, eine Sonderform des Jambus

Ähnlich wie bei Reimen (→ Reimschema), gibt es bestimmte Sonderformen, wodurch wir zu einer anderen Bezeichnung greifen müssen. Eine Sonderform des Jambus ist der Alexandriner.

Dieser Alexandriner begegnet uns vornehmlich in der Sonett-Dichtung und beschreibt einen sechshebigen Jambus (zwölf Silben; sechs unbetonte & sechs betonte), deren Mitte eine Zäsur bildet. Als Zäsur wird ein gedanklicher Einschnitt, ein inhaltlicher Wendepunkt oder im Zusammenhang mit Rhetorik und Poetik ein kurzes Innehalten beim Lesen, also eine Atempause, bezeichnet.

Auf den Alexandriner bezogen meint es, dass ein Vers, der durch einen sechshebigen Jambus gebildet wird, nach den ersten drei Hebungen und Senkungen eine kurze Sprechpause erfährt. So eine Atempause kann mit einem inhaltlichen Umbruch einhergehen. Ein Paradebeispiel für diese Verwendung des Jambus ist das Werk Es ist alles eitel von Andreas Gryphius. Als Beispiel soll die erste Strophe herhalten.

Dusiehst,wohindusiehst,/nurEitelkeitaufErden.
Was dieser heute baut, / reißt jener morgen ein,
Wo itzund Städte stehn, / wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind / wird spielen mit den Herden.

Der Alexandriner und Jambus lassen sich hierbei sehr klar erkennen, wobei sich die Hebungen und Senkungen stets abwechseln und nach der dritten Hebung, also der sechsten Silbe, eine Zäsur abzeichnet. Weiterhin leitet sie in Vers zwei und drei einen inhaltlicher Widerspruch ein, der den Teil vor der Zäsur und den nach der Zäsur inhaltlich gegenüberstellt (→ Antithese).

Angemerkt muss allerdings werden, dass die erste und letzte Verszeile dieser Strophe 13 Silben aufweisen, weshalb die Kadenzen wechselnd sind und das einheitliche Bild ein wenig trüben. Warum es sich dabei so verhält, haben wir ausführlich im Beitrag zum alexandrinischen Versmaß aufbereitet (→ Alexandriner).

Dennoch fällt die jambische Struktur auf, wobei die Zäsur außerdem Gegensatzpaare voneinander trennt. Vornehmlich der zweite und dritte Vers bilden in dieser Strophe einen inhaltlichen Wendepunkt.

Wirkung und Funktion des Jambus

Grundsätzlich ist es natürlich sehr schwierig, einem Versfuß oder einem Stilmittel eine Funktion zuzuschreiben. Dennoch können sie natürlich einen Effekt auf den Leser haben.

Häufig wirkt der Jambus durch das Abwechseln von unbetonten und betonten Silben sehr rhythmisch, wobei wir solche Texte vielleicht mit einem schlagenden Herz oder auch einem galoppierenden Pferd vergleichen könnten. Folglich klingen Werke, die sich des Jambus bedienen, oftmals wie ein Singsang.

Diese Wirkung kann zusätzlich durch den Einsatz von Kreuzreim und Paarreim verstärkt werden. Auch anderen Reimschemata, die die Wechselwirkung weiterhin unterstützen und betonen, können diesen Effekt sehr verstärken.

Hinweis: Dennoch sollte dieser Umstand unser Leserverhalten nicht beeinflussen. Denn bloß, weil das ein oder andere Gedicht dadurch galoppierend wirkt, muss dies nicht auf alle Werke der Literatur zutreffen, bloß weil ein Jambus darin vorkommt.

Jambus und Trochäus

Das Gegenstück zum Jambus bildet in der Metrik der Trochäus, der aus einer betonten und unbetonten Silbe gebildet wird. Das Wort Jambus ist folglich selbst ein Trochäus, da wir beim Sprechen die Silbe Jam betonen und bus unbetont bleibt. Klingt komisch, ist aber tatsächlich so.

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